Die Grafikkarte oder das Mainboard ist defekt – und der Garantie- oder RMA-Antrag beim Hersteller wird abgelehnt. Das ist eine frustrierende Situation. Was viele nicht wissen: Eine abgelehnte RMA bedeutet nicht automatisch, dass das Gerät hin ist. In diesem Ratgeber erklären wir, welche Gründe bei RMA-Prüfungen häufig zur Ablehnung führen und welche konkreten Optionen du danach hast.

Häufige Gründe für eine Garantie- oder RMA-Ablehnung

Hersteller von Grafikkarten und Mainboards – darunter Anbieter wie ASUS, MSI, Gigabyte, ASRock, Palit, Zotac oder EVGA – prüfen eingesandte Geräte im Rahmen ihrer RMA-Prozesse auf Garantiefähigkeit. In der Praxis kommen dabei folgende Ablehnungsgründe vor:

  • 💧
    Flüssigkeitsschaden-Indikator ausgelöst Auf vielen Platinen sitzen sogenannte Liquid Contact Indicators (LCI), kleine Aufkleber, die bei Wasserkontakt dauerhaft die Farbe wechseln. Ist ein solcher Indikator aktiviert, gilt das in den Garantiebedingungen vieler Hersteller als Ausschlussgrund – unabhängig davon, ob der eigentliche Defekt direkt durch Flüssigkeit verursacht wurde.
  • Vermutete Überspannung oder Übertaktung Wenn Spannungsregler, MOSFETs oder Kondensatoren Anzeichen thermischer Überlastung zeigen, kann das auf eine Überspannung oder aggressive Übertaktung hindeuten. Das ist in vielen Garantiebedingungen als Ausschlussgrund gelistet – auch wenn der Nutzer nie bewusst übertaktet hat.
  • 🔧
    Anzeichen von Reparaturversuchen oder physischen Schäden Kratzer am PCB, abgebrochene Bauteile oder Lötspuren durch vorherige eigene Reparaturversuche führen in der Regel zur Ablehnung, da sie als Eingriff in das Gerät gewertet werden.
  • 📅
    Abgelaufene Garantiefrist Die meisten Hersteller gewähren 2–3 Jahre Garantie. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt keine Übernahme mehr – selbst wenn der Defekt typischer Natur ist und bei einem neueren Gerät unter Garantie gefallen wäre.
  • 📄
    Formfehler oder fehlende Unterlagen Fehlende Kaufbelege, unvollständiges Zubehör beim Einschicken oder Abweichungen im RMA-Formular können formal zur Ablehnung führen – unabhängig vom technischen Zustand des Geräts.
  • "Unsachgemäße Nutzung" ohne eindeutige Ursache Manche Ablehnungen werden mit dem pauschalen Hinweis auf unsachgemäße Nutzung begründet, ohne dass der genaue Befund transparent gemacht wird. Das ist für Verbraucher schwer nachvollziehbar und anfechtbar.
💡 Wichtig: Eine Ablehnung durch den Hersteller bedeutet nicht, dass das Gerät irreparabel ist. Sie bedeutet nur, dass der Hersteller die Übernahme in diesem Fall ausschließt.

Deine Optionen nach einer abgelehnten RMA

Option 1 – Neukauf

Du nimmst die Ablehnung hin, erhältst das Gerät zurück und kaufst ein Ersatzgerät. Das ist in den meisten Fällen die teuerste Lösung – besonders bei hochpreisigen Grafikkarten oder wenn ein Sockelwechsel am Mainboard nötig wird.

Option 2 – Gesetzliche Gewährleistung beim Händler prüfen

Wenn du das Gerät im deutschen oder EU-Handel gekauft hast, hast du unabhängig von der Herstellergarantie gesetzliche Gewährleistungsrechte gegenüber dem Händler (2 Jahre ab Kaufdatum, im ersten Jahr mit Beweislastumkehr zugunsten des Käufers). Es kann sich lohnen, beim Händler statt beim Hersteller zu reklamieren – das sind zwei unterschiedliche Rechtsansprüche.

Option 3 – Unabhängige Chip-Level Reparatur

Eine unabhängige Reparaturwerkstatt repariert Grafikkarten und Mainboards auf Komponentenebene – unabhängig vom Garantiestatus und unabhängig davon, ob der Hersteller die Übernahme abgelehnt hat. Vor jeder Reparatur gibt es eine transparente Diagnose und einen verbindlichen Kostenvoranschlag.

Wann lohnt sich die unabhängige Reparatur?

Für die meisten Grafikkarten und Desktop-Mainboards ist eine Chip-Level Reparatur deutlich günstiger als ein Neukauf. Ein Vergleich in der Praxis:

Gerät Reparatur ab Neupreis (ca.)
NVIDIA RTX 3000 Serie 120 € 250–500 €
NVIDIA RTX 4000 Serie 150 € 300–1.600 €
NVIDIA RTX 5000 Serie 170 € 500–2.000 €+
Desktop Mainboard 100 € 100–600 €

Gerade bei teureren Modellen ist die Ersparnis enorm. Hinzu kommt: Du bekommst dein eigenes Gerät zurück – mit deinen Einstellungen, deiner Vorgeschichte, ohne Gebrauchtgerät-Risiko.

⚠️ Wichtiger Hinweis zum Mainboard: Bei einem Mainboard-Neukauf ist in vielen Fällen auch eine neue CPU fällig, wenn sich der Prozessorsockel geändert hat (z. B. AM4 → AM5 oder LGA1700 → LGA1851). Das treibt die Gesamtkosten schnell auf 400–900 €. Eine Chip-Level Reparatur erhält das bestehende System.

Was passiert bei der Diagnose?

Bei PCB-WERKE läuft die Diagnose in drei Schritten ab:

  1. Eingang & Sichtprüfung – das Gerät wird auf sichtbare Schäden und bekannte Defektmuster geprüft.
  2. Elektrische Diagnose – wir messen mit Labornetzteil, Oszilloskop und IR-Thermalkamera den genauen Defekt auf Komponentenebene.
  3. Kostenvoranschlag – du erhältst einen transparenten Befund mit dem exakten Defekt und den Reparaturkosten. Erst nach deiner Freigabe wird repariert.

Ist das Gerät nicht wirtschaftlich reparierbar, zahlst du nur die 50 € Diagnosepauschale – die Karte kommt zurück zu dir.

🛡️ Auf alle durchgeführten Reparaturen gewähren wir 6 Monate Gewährleistung. Gleichartiger Folgedefekt im Gewährleistungszeitraum wird kostenlos behoben.